08/2024: Wie lassen sich Verbraucher dazu bewegen, die von ihnen verwendeten Glasverpackungen konsequent zu recyceln? Diese Frage stellen sich Hersteller in der Glas-, Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Umweltorganisationen und Regierungen in aller Welt. Im kroatischen Koprivnica arbeitet Vetropack Straža d.d. jetzt im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Europäischen Behälterglasverband (Feve), dem multinationalen Unternehmen und einer der führenden Lebensmittelhersteller – Podravka Inc. und dem dortigen kommunalen Dienstleistungsunternehmen Komunalac d.o.o. zusammen daran, diese Frage zu beantworten.

Altglas ist eine wichtige Ressource: Seine Wiederverwendung verringert den Rohstoffverbrauch und – da das Einschmelzen von Altglas weniger Energie erfordert – auch den Energiebedarf bei der Glasproduktion. Im Ergebnis entstehen so weniger CO2-Emissionen pro neuem Behälter. Umso wichtiger ist es, dass recycelbares Glas auch wirklich in den Recyclingkreislauf gelangt. Aus verschiedenen Gründen ist das nicht immer der Fall. Manchmal funktioniert die Infrastruktur für Sammlung, Transport und Recycling von Glas noch nicht so effizient oder sie ist noch nicht ausreichend vorhanden. Darüber hinaus gibt es oft Bedarf, noch weiter aufzuklären über das Potenzial von Glasrecycling und die richtige Vorgehensweise. Aus diesem Grund ist Feve ein aktiver Partner von Close the Glass Loop – einer Multistakeholder-Plattform, die Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette zusammenbringt mit dem Ziel, bis 2030 eine Sammelquote von 90 Prozent der Glasverpackungen in der EU zu erreichen (derzeit liegt die Quote bei 80,1 Prozent).

Einer der wichtigsten Hebel auf dem Weg zu diesem Ziel ist der Aufbau effektiver Partnerschaften, um so mit Verbrauchern zu kommunizieren und sie zu sensibilisieren. «Als europäische Organisation sind wir auf lokale Partner wie Unternehmen und Behörden angewiesen, die ihre bestehenden Netzwerke und Infrastrukturen aktivieren und auf ihr fundiertes Wissen über die Situation in ihrer Region zurückgreifen können. Im Gegenzug versorgen wir sie mit Ressourcen, Kommunikationsmaterial und Beratungsleistungen. Wir arbeiten alle auf dasselbe Recyclingziel hin, nur aus unterschiedlichen Perspektiven», erklärt Michael Delle Selve, Leiter Marketing und Kommunikation bei Feve. 

Lokale Partnerschaften für ein nachhaltiges Glasrecycling

In der kroatischen Stadt Koprivnica sind diese lokalen Partner Vetropack Straža d.d., der Lebensmittelhersteller Podravka Inc. und das kommunale Dienstleistungsunternehmen Komunalac d.o.o. Mit dem Digital Recycling Pilot Project, einer Kampagne zur Aufklärung und Sensibilisierung der Verbraucher, stellen sie sich der Herausforderung, im kroatischen Glasrecyclingsystem eine höhere Sammel- und Recyclingquote zu erreichen: Im Rahmen des Pfandrücknahmesystems (Deposit Return Scheme, DRS) geben die Verbraucher Flaschen mit einem Fassungsvermögen von 200ml oder mehr gegen ein geringes Pfand an die Geschäfte zurück, wo diese von privaten Unternehmen eingesammelt werden. Schätzungsweise 80 Prozent der unter dieses System fallenden Behälter werden zum Recyceln gesammelt. Gläser aller Grössen und kleinere Flaschen werden jedoch im Rahmen des Systems der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) in kommunalen Containern gesammelt, von wo aus sie von den kommunalen Diensten zu Recyclinganlagen transportiert werden. In diesem System werden nur etwa 30 Prozent aller Behälter unter 200ml gesammelt. Die restlichen 70 Prozent landen im Abfall. Dadurch sinkt die gesamte, nationale Sammelquote für Glas auf 59 Prozent. Verglichen mit dem EU-Durchschnitt lässt dies Kroatien erheblichen Spielraum für Verbesserungen. Die Kampagne Digital Recycling Pilot Project wurde ins Leben gerufen, um zu untersuchen, worauf die geringere Erfolgsquote des EPR-Systems zurückzuführen ist – auf die fehlende Motivation durch eine Belohnung (wie im DRS-System), oder auf mangelndes Bewusstsein für Glasrecycling im Allgemeinen. Die Kampagne begann mit einer Onlineumfrage, die sich speziell an die Bürger von Koprivnica richtete. Im Anschluss wurden die Botschaften der Kampagne auf die Umfrageergebnisse zugeschnitten und durch Bildmaterial ergänzt, das die Produkte von Podravka in Gläsern zeigt.

Erfolgsfaktoren für Glasrecycling-Kampagne

Ab Herbst dieses Jahres werden die Kampagnenbilder über die Social-Media-Kanäle von Feve strategisch verbreitet. Bei der kontinuierlichen Datenerfassung während der gesamten Kampagne wird unter anderem nachverfolgt, welche Botschaften, Bilder und Kanäle die meisten Verbraucher erreichten und wie dies die Glassammelmengen tatsächlich beeinflusste. Wenn die Kampagne ausläuft, werden diese Daten analysiert, ausgewertet und mit Daten aus Čakovec verglichen – einer ähnlichen Stadt ohne eine solche Kampagne, die als Kontrollgruppe dient. Daraus resultieren am Ende ein Kommunikations-Toolkit und ein Konzept für künftige Kampagnen, das international eingesetzt werden kann. Während sowohl Feve als auch Vetropack dieses Projekt finanziell unterstützen, tragen alle Teilnehmer auf ihre eigene Weise zum Erfolg bei: Das Vetropack-Team übernimmt einen grossen Teil der organisatorischen Aufgaben und ist Übersetzer für die Kampagne. 

Da Vetropack Straža d.d. das einzige Glas produzierende Werk im Land betreibt, waren ihre Beziehungen entscheidend und ausschlaggebend dafür, dass sowohl Komunalac als auch Podravka in das Projekt einstiegen. Podravka stellt viele beliebte Marken her und verleiht der Kampagne damit die nötige Sichtbarkeit. «Wir erkannten sofort den Wert dieses Projekts», sagt Nataša Mikuš Žigman, Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeit bei Podravka. «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2030 für unsere Produkte nur noch recycelbare, wiederverwendbare oder kompostierbare Verpackungen zu verwenden. Glas kann uns dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen – und wir wollen dazu beitragen, dass das von uns genutzte Glas tatsächlich recycelt wird.» Komunalac fungierte als lokaler Berater für das Projekt und unterstützte mit Daten. «Um die reale Auswirkung auf die für das Recycling gesammelte Glasmenge zu messen, sind wir ideal positioniert. Wir hoffen auf eine deutliche Steigerung», sagt Saša Grubačević, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft bei Komunalac. Neben der gemeinsamen Projektkoordination hat Feve ausserdem das Kommunikationskonzept entwickelt und wird schliesslich die gesammelten Daten auswerten. Alle vier Partner hoffen, dass der Anteil des recycelten Glases in Koprivnica signifikant zunimmt, und freuen sich darauf, dass die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Arbeit für künftige Kampagnen in Kroatien oder im Ausland genutzt werden.

«Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2030 für unsere Produkte nur noch recycelbare, wiederverwendbare oder kompostierbare Verpackungen zu verwenden. Glas kann uns dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen.»
Nataša Mikuš Žigman, Director of Sustainability, Podravka

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