07/2025: Die Dekarbonisierung der Glasindustrie ist eines der ambitioniertesten Ziele der Branche und für die Zukunft von Glas als Verpackungsmaterial und unsere Umwelt unerlässlich. Mit dem ZeroCO₂- Glas-Projekt setzt der International Partners in Glass Research e. V. (IPGR) neue Massstäbe in der Entwicklung emissionsfreier Glasartikel und Produktionsverfahren. Nach erfolgreichem Aufbau einer eigenen Forschungsanlage arbeitet das Team nun daran, erste Glasbehälter CO₂-frei herzustellen und praxisnahe Erkenntnisse zu gewinnen.

Die Herstellung von Glas ist ein energieintensiver Prozess, der bislang massgeblich von fossilen Energieträgern abhing. In einer Zeit, in der Klimaziele, politische Regularien und gesellschaftliches Bewusstsein nachhaltigen Wandel fordern, steht die Branche deshalb vor einer grundlegenden Transformation. Mit dem ZeroCO₂-Glas Projekt verfolgt die IPGR das Ziel, ein CO₂-neutrales Produktionsverfahren für Glas zu entwickeln und zu erproben.

Innovationsmotor für eine klimafreundliche Glasindustrie

Die IPGR fungiert als internationale Plattform und Koordinatorin für vorwettbewerbliche Forschung und Entwicklung, stets mit dem Ziel, technische und wissenschaftliche Expertise für alle Mitglieder nutzbar zu machen. Sie bündelt globales Know-how und initiiert Forschungsprojekte, in denen alternative Rohstoffe und neue Energiesysteme getestet werden – wie im ZeroCO₂-Glas-Projekt.

Herzstück des Projekts ist ein eigens errichtetes Technologiezentrum, das aus einer ehemaligen Lagerhalle zu einer modernen Forschungseinrichtung umgebaut wurde. «Unsere Versuchsanlage bildet 1:1 ein echtes Glaswerk im verkleinerten Massstab ab, mit allen entscheidenden Prozessschritten der industriellen Glasproduktion», erklärt Dominik Orzol, Geschäftsführer der IPGR. Nach der Projektierung im Jahr 2021 begannen 2023 die ersten Bauarbeiten und Umbaumassnahmen, 2024 folgte die Inbetriebnahme des Schmelzofens. Im Anschluss an eine Einfahrphase wurden im April 2025 die ersten Versuche gestartet.

Der Weg zur CO₂-freien Produktion

Das Projekt setzt an drei Hebeln an, um die CO₂-freie Glasherstellung voranzutreiben: Zum Ersten wird auf carbonatfreie Rohstoffe umgestellt, die beim Schmelzen keine Emissionen verursachen.

Zum Zweiten wird die Energieversorgung neu gedacht: Statt wie bisher auf fossile Brennstoffe zu setzen, nutzt die Anlage elektrische Energie und wasserstoffbasierte Heizsysteme. Durch diese Kombination aus alternativen Rohstoffen und Energiequellen kann der CO₂-Ausstoss beim Schmelzprozess drastisch verringert oder sogar auf null reduziert werden. Als dritten Hebel nimmt das Projektteam die Formgebung der Flaschen in den Blick. Ziel ist es, die CO₂-frei geschmolzene, neue Glaszusammensetzung auf ihre Eignung als Behälterglas zu testen. Auf Lange Sicht kann es dann dazu verwendet werden, leichtere Flaschen, die nicht nur Material sparen, sondern auch Transportemissionen reduzieren, zu entwickeln.

Technische Herausforderungen als Chance zur Weiterentwicklung

Die Umstellung auf alternative Rohstoffe und Energiequellen stellt die gesamte Glasproduktion vor neue Herausforderungen. Carbonatfrei gefertigte Gläser erfordern höhere Produktionstemperaturen, was Wanne, Vorherd und das Formgebungsequipment stärker beansprucht. Damit bestehende Flaschendesigns und -formate weiterhin umgesetzt werden können, bedarf es innovativer Werkstoffe, angepasster Formgebungsprozesse und teilweise neuer Formmaterialien – denn deren Verhalten unter den veränderten Belastungen ist noch wenig erforscht.

Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Zentral für den Erfolg des ZeroCO₂-Glas-Projekts ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der IPGR und mit externen Forschungseinrichtungen – in diesem Fall zwei Lehrstühle der RWTH Aachen. Hier bringen Experten aus Glasproduktion, Wissenschaft und Anlagenbau ihr Knowhow ein. Vetropack ist Mitglied der IPGR und engagiert sich aktiv. Eine Schlüsselrolle hat dabei Guido Stebner als Chief Technology Officer der Vetropack-Gruppe und seit 2023 Vorsitzender der IPGR.

«Wir sind bereit!»

Nach Abschluss der Projektierungs- und Aufbauphase ist die ZeroCO₂-Glas-Versuchsanlage jetzt vollständig in Betrieb. Mit dem Ende der Referenzphase ist die Schmelzwanne umfassend charakterisiert – das Projektteam kennt die relevanten Stellhebel und weiss nun gezielt, woran weitergearbeitet werden kann. Damit startet die nächste Entwicklungsphase: Geplant sind Versuche mit höheren elektrischen Energieanteilen, um zukünftig die ambitionierten Ziele von 50 oder sogar 80 Prozent Elektrifizierung des Schmelzprozesses Wirklichkeit werden zu lassen.

Drei Fragen:

1. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit im ZeroCO₂-Projekt?

Diese ist besonders produktiv, weil Forschung, Industrie und Anlagenbau eng zusammenarbeiten. Durch diesen Austausch gelingt es, wissenschaftliche Erkenntnisse rasch in die Praxis zu bringen und technische Lösungen gemeinsam zu entwickeln. So können Innovationen schneller umgesetzt und auf die tatsächlichen Anforderungen der Branche abgestimmt werden.

2. Was bringt Vetropack konkret in das Projekt ein?

Vetropack bringt viel Praxiserfahrung aus der industriellen Glasproduktion mit ein, etwa bei Glasrezepturen und der Optimierung von Produktionsprozessen. Ausserdem können wir aus erster Hand von den Herausforde- rungen der Branche berichten. Uns ist wichtig, dass die entwickelten Lösungen praxistauglich und wirtschaftlich umsetzbar sind.

3. Welche Rolle übernehmen Sie als CTO von Vetropack und Vorsitzender der IPGR im Projekt?

Ich verstehe mich als Brückenbauer zwischen den Partnern und fördere den gezielten Austausch. Besonders wichtig sind die Schnittstellen zwischen Forschung und Praxis – nur so können neue Erkenntnisse erfolgreich in die industrielle Anwendung gebracht werden.

«Die Zusammenarbeit ist besonders produktiv.»
Guido Stebner, CTO Vetropack

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