Wegweiser
08/2026: Eine sich rasch verändernde Wirtschaftslage und neue regulatorische Anforderungen wie die europäische Verpackungsverordnung PPWR prägen derzeit das Branchenumfeld. Vor diesem Hintergrund spricht CCO Evan Williams über die aktuelle Marktsituation, künftige Entwicklungen und die Rolle von Vetropack in der Branche.
Herr Williams, wohin entwickeln sich die Trends im Konsumentenverhalten und welche Auswirkungen haben sie auf die Glasverpackungsindustrie?
Betrachtet man den europäischen Markt für Glasverpackungen, beobachten wir insgesamt ein spürbares Wachstum. Im Konsumentenverhalten zeigt sich dabei eine Art „Erosion der Mitte“: Verbraucher entscheiden sich für besondere Anlässe verstärkt für Produkte mit Premiumcharakter, während sie bei Produkten des täglichen Bedarfs stärker auf den Preis achten. Im Weinsegment steht die Nachfrage beispielsweise unter Druck. Premiumformate wie Magnumflaschen sowie anlassbezogene Getränke wie Spritz entwickeln sich jedoch weiterhin besser als der Gesamtmarkt. Gleichzeitig verzeichnen die Segmente Lebensmittel und alkoholfreie Getränke Wachstum, da Konsumenten einerseits nach Innovationen und neuen Alternativen suchen und andererseits den Fokus auf Nahrungsmittel des täglichen Bedarfs legen.
Wie kann Vetropack seine Kunden dabei unterstützen, von diesen Entwicklungen zu profitieren?
Wir bieten unseren Kunden unterschiedliche Wege an – abhängig von ihrer Positionierung und ihren Zielgruppen. Ein wichtiger Hebel ist die Premiumisierung, etwa durch Prägungen oder besondere Farben von Mintgrün bis Grandala Blue. Das ist insbesondere für Superpremium-Spirituosen relevant oder als Differenzierungsmerkmal für Mineralwasser in der Gastronomie.
Auch Lebensmittelhersteller zeigen ein zunehmendes Interesse an farbigem Glas – sei es, um eine bestimmte Positionierung wie pflanzenbasierte Produkte zu unterstreichen oder einen Wechsel von Metalldosen zu begleiten. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach individuellen Formen – von Konfitüren und Eingemachtem bis hin zu charakteristischen Gläsern für Schokoladenaufstriche. Einer der wichtigsten Aspekte für unsere Kunden ist jedoch die Kombination aus grosser Produktionskapazität und hoher Flexibilität, die Vetropack bieten kann.
Wie zeigt sich diese Kombination aus Kapazität und Flexibilität in der Praxis?
Markenhersteller und Abfüllbetriebe, die Grössen, Formen oder Farben anpassen oder vollständig auf Glasverpackungen umsteigen möchten, müssen sich darauf verlassen können, dass wir sie sowohl bei der Time-to-Market als auch bei den Produktionskapazitäten für ihr zukünftiges Wachstum unterstützen. Unsere Anlagen und unser technisches Know-how ermöglichen es uns, eng mit unseren Kunden zusammenzuarbeiten und auch umfangreiche Produktionsumstellungen umzusetzen. Ein aktuelles Beispiel ist eine unserer Hochgeschwindigkeitslinien in der Ukraine, die bisher für die Herstellung von Getränkeflaschen genutzt wurde. Derzeit stellen wir diese Linie auf die Produktion für den Lebensmittelmarkt um.
Was motiviert Hersteller dazu, auf Glasverpackungen umzusteigen?
Ein wichtiger Treiber ist das wachsende Bewusstsein für Mikroplastik und chemische Stoffe in Verpackungen. Wissenschaftliche Untersuchungen werfen zunehmend Fragen hinsichtlich möglicher Gesundheitsrisiken bestimmter Materialien mit Lebensmittelkontakt auf. Glas hingegen ist inert und bewahrt Geschmack, Qualität und Produktintegrität. Insbesondere für Marken, die sich über Gesundheit und Natürlichkeit positionieren, bietet Glas die Möglichkeit, die Verpackung konsequent mit dem Produktversprechen in Einklang zu bringen. Für einige unserer Kunden spielt zudem die Vorbereitung auf die künftigen Anforderungen der europäischen Verpackungsverordnung PPWR eine wichtige Rolle.
Welchen Beitrag kann Glas leisten, um Hersteller bei der Erfüllung der PPWR-Anforderungen zu unterstützen?
Zum einen erfüllt Glas bereits heute die in der PPWR festgelegten Anforderungen an die Recyclingfähigkeit. Gemäss der veröffentlichten Verordnung sollen Handel und Gastronomie bis 2030 mindestens zehn Prozent ihrer Getränke in Mehrwegverpackungen anbieten, unterstützt durch eine entsprechende Infrastruktur. Hier verfügt Glas über einen klaren Vorteil. Mehrwegsysteme sind bereits etabliert, und Glas eignet sich ideal für die industrielle Wiederbefüllung über zahlreiche Umläufe hinweg. Unsere führende Rolle im Bereich Mehrweg wird durch unsere thermisch gehärtete und leichte Rezon-Flasche unterstrichen. Seit ihrer Markteinführung im Jahr 2024 gehört sie zu den wenigen Verpackungslösungen in der österreichischen Getränkeindustrie, die Wachstum verzeichnen konnten.
Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten für Vetropack und für Glasverpackungen insgesamt?
Für beide ist eine langfristige Perspektive entscheidend. Die Glasproduktion basiert auf langlebigen Anlagen, und als Familienunternehmen legt Vetropack den Schwerpunkt auf nachhaltige Planung statt auf kurzfristige Quartalsergebnisse. Damit sowohl wir als auch unsere Kunden von schnell wechselnden Markttrends profitieren können, legen wir heute noch stärkeren Wert auf Kundenorientierung. Die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden war schon immer ein wesentliches Merkmal unserer Beziehungen, was sich unter anderem in unseren regelmässigen Voice-of-Customer-Befragungen zeigt. Die sich wandelnden Bedürfnisse unserer Kunden zu verstehen, ist heute wichtiger denn je. So können wir nicht nur auf Markttrends reagieren, sondern diese gemeinsam mit unseren Kunden gestalten und langfristigen Erfolg schaffen.
«Ein wichtiger Faktor ist das wachsende Bewusstsein für Mikroplastik und Chemikalien in Verpackungen. Glas ist dagegen inert und bewahrt Geschmack, Qualität und Unversehrtheit des Produkts.»
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