06/2023: Nach mehr als eineinhalb Jahren Bauzeit hat im Mai 2023 das Aufheizen der beiden Schmelzwannen im neuen Werk im italienischen Boffalora sopra Ticino begonnen. In einem mehrtägigen Prozess wurden die Wannen bis zum Produktionsstart auf Temperatur gebracht und befüllt. Nach der offiziellen Eröffnung im Oktober 2023 wird an Vetropacks neuem Hightech-Standort bis zu 70 Prozent mehr Glas produziert als im bisherigen Werk – bei einem Maximum an Flexibilität und Nachhaltigkeit.

Bislang produzierte Vetropack Italia S.r.l. im norditalienischen Trezzano sul Naviglio Glasverpackungen. Nun verlegen wir die Produktion in den 25 Kilometer entfernten, hochmodernen Neubau in Boffalora sopra Ticino. Über 400 Mio. CHF wurden in den neuen Fertigungsstandort investiert, um der steigenden Nachfrage auf dem italienischen Markt einen Schritt voraus zu sein und den gestiegenen Qualitätsanforderungen gerecht zu werden. «Der italienische Markt mit seinen vielen Weltmarken spielt in unserer Strategie eine grosse Rolle», erklärt Johann Reiter, CEO der Vetropack-Gruppe.

Flexible und nachhaltige Produktion

Nach vollständiger Inbetriebnahme soll das neue Werk laut Vetropack nicht nur eine bis zu 70-prozentige Steigerung der Produktionskapazität gegenüber dem Werk in Trezzano bieten. Die smarten Technologien, in die Vetropack für das Projekt Boffalora investiert, ermöglichen gleichzeitig mehr Flexibilität in der Produktion, zum Beispiel für sogenannte Semi-specials – aussergewöhnliche Verpackungen in kleineren Losen. Ausserdem ist der Standort auf eine deutlich ressourceneffizientere und nachhaltigere Produktion ausgerichtet: Zur Fertigung genutztes Wasser und die Abwärme der Schmelzwannen werden dank Kreislaufsystemen so weit möglich wiederverwendet, Emissionen mithilfe neuester Filteranlagen stark reduziert. Mit der Eröffnung des neuen Standortes wird Boffalora sopra Ticino alleiniger Vetropack-Standort in Italien, und das bisherige Werk in Trezzano sul Naviglio sieht seiner Schliessung entgegen. Die 301 Mitarbeitenden mussten dennoch nicht um ihren Arbeitsplatz bangen – allen Angestellten des bisherigen Standortes wurde ein Transferangebot gemacht. Trotz erheblicher Steigerung der Produktionsmenge pro Mitarbeiter wird die Belegschaft dank höherer Kapazität sogar weiter wachsen – bereits seit 2020 werden neue und bestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die neuen Produktionsanlagen geschult.

Energie präzise dosiert

Vor Beginn der Auftemperung wurden die neuen Wannen in Boffalora in einer sogenannten «Kalt-Abnahme» von aussen und innen inspiziert. Der anschliessende ebenfalls «kalt» ausgeführte 24-Stunden-Test bestätigte, dass die Ausrüstung um die und an den Wannen optimal funktioniert. Am 22. Mai begann die Befeuerung der ersten Wanne, die zweite Wanne folgte wenige Wochen später. Dazu wird zu Beginn mit externen Brennern gefeuert. Dieser Prozess nimmt insgesamt 14 Tage in Anspruch: «Die Wannen müssen präzise und kontrolliert entlang einer bestimmten Aufheizkurve von Raumtemperatur auf 1550 Grad Celsius getempert werden, damit sie keinen Schaden nehmen», erläutert Christoph Burgermeister, Projektleiter bei Vetropack. «Ausserdem dehnt sich das feuerfeste Material durch die Erwärmung aus, weshalb während dieses Prozessschrittes Druckbolzen in der Stahlkonstruktion laufend angepasst werden müssen.» Ab einer Temperatur von ca. 1050 Grad Celsius übernehmen die wanneneigenen Brenner die Beheizung und bringen die interne Temperatur der Wannen auf 1550 Grad Celsius. Die Befüllung beginnt mit Altglasscherben, die nicht nur wertvolle Rohstoffe sparen, sondern auch mit geringerem Energieaufwand eingeschmolzen werden können als Rohmaterial. Nach zwei bis drei Tagen werden die Scherben durch ein Gemenge aus Primärrohstoffen ergänzt und abschliessend für etwa 24 Stunden erhitzt. Das geschmolzene Glas wird via den Vorherd in die Feeder geleitet, zu Glastropfen geschnitten und den Glasblasautomaten nacheinander zugeführt, welche die Glastropfen zu Behältern formen.

«Der italienische Markt mit seinen vielen Weltmarken spielt in unserer Strategie eine grosse Rolle.»
Johann Reiter, CEO

Mehr lesen