Wir bauen auf einer starken Basis auf
Lukas Burkhardt führt die Vetropack-Gruppe seit Anfang 2026 als CEO. Er übernimmt in einer schwierigen Phase: Überkapazitäten, Preisdruck, volatile Energiemärkte. Im Gespräch zieht er eine erste Bilanz und erklärt, warum er trotz der aktuell angespannten Situation überzeugt ist, dass Vetropack wieder profitabel wachsen wird.
Herr Burkhardt, hinter Ihnen liegen die ersten 100 Tage als CEO von Vetropack. Zeit für ein kurzes Zwischenfazit: Wie war Ihr Einstieg? Was hat Sie beeindruckt? Was überrascht?
Die Zeit fliegt gerade und es war aufgrund der aktuellen Entwicklungen eher ein Kickstart, weniger ein ruhiges Sich-Einfinden. Trotzdem habe ich meine ersten hundert Tage bei Vetropack als durchweg bereichernd erlebt. Vieles von dem, was ich von aussen wahrgenommen hatte, hat sich dabei bestätigt, wenn auch mit mehr Tiefe und Nuancierung. Was mich wirklich beeindruckt, sind der hohe technologische Stand unserer Werke und das enorme Branchenwissen in unserer Organisation. Das ist ausserordentlich und eine starke Basis, auf der wir aufbauen können. Dazu kommt das Engagement der Menschen bei uns, und das trotz eines Marktumfelds, das in den vergangenen Jahren in vielerlei Hinsicht sehr anstrengend war.
Der Markt leidet unter Überkapazitäten und Preisdruck. Wie beurteilen Sie die Lage?
Die Situation ist angespannt, gar keine Frage. Unsere Industrie hat in den vergangenen Jahren Kapazität aufgebaut, während die Nachfrage gerade bei Getränkeverpackungen zurückging. Erste Mitbewerber haben bereits Standorte konsolidiert, und ich gehe davon aus, dass sich dadurch 2026 eine bessere Balance zwischen Angebot und Nachfrage einstellen wird. Aktuell kommen die positivsten Signale aus den Segmenten „Food” und „Non-Alcoholic Beverages”. Im Weinsektor schwächelt die Nachfrage weiterhin, andere Segmente stabilisieren sich.
Glas steht im Wettbewerb mit Kunststoff und Aluminium. Warum ist es dennoch ein Material der Zukunft?
Den Vergleich braucht Glas nicht zu scheuen. Glas ist das einzige Verpackungsmaterial, das vollständig und unbegrenzt oft recycelbar ist, ohne Qualitätsverlust. Es ist lebensmittelsicher, geschmacksneutral und vermittelt das Qualitätsgefühl, das Konsumentinnen und Konsumenten bei Premium-Produkten erwarten. Die grossen Trends, Gesundheitsbewusstsein, Premiumisierung und Nachhaltigkeit, spielen Glas als Material in die Karten. Ich bin überzeugt, dass Glas auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Verpackungsmarkt spielen wird.
Apropos Innovation: Wie kommt Vetropacks Leichtglas-Lösung Rezon voran?
An unserem Standort in Pöchlarn nehmen wir im Verlaufe des Jahres die erste Grossanlage für Rezon-Flaschen in Betrieb. Das ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Serienfertigung. Der Markteinstieg in der österreichischen Brauindustrie war bereits vielversprechend: Das Produkt funktioniert und stösst auf grosses Interesse. Niedrigere Gesamtkosten dank mehr Umläufen im Mehrwegsystem, weniger Gewicht beim Transport, reduzierter CO₂-Fussabdruck und eine stärkere Markenwirkung für unsere Kunden, das ist ein starkes Wertversprechen. Ich bin überzeugt, dass Rezon das Zeug hat, ein echter Wachstumstreiber für uns zu werden.
Was nehmen Sie sich für das laufende und die kommenden Jahre vor?
2026 wird eher ein Übergangsjahr, mit dem klaren Ziel, den Trend umzukehren und wieder auf Kurs zu kommen. Konkret sehe ich drei Prioritäten: profitables Wachstum, eine gezielte Portfoliooptimierung mit Fokus auf Wachstumssegmente und konsequenten Kundenfokus verbunden mit einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur. Langfristig wollen wir eine führende Rolle in der europäischen Glasverpackungsindustrie spielen. Ich bin überzeugt, dass wir die richtigen Menschen, die richtige Technologie und die richtigen Produkte haben, um unser Potenzial zu nutzen.

