Durchhaltewillen
08/2024: Eine echte Weltneuheit auf dem Markt: die erste Mehrwegflasche aus gehärtetem Leichtglas. Dieser Durchbruch ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung. Ein Zeuge des Entwicklungsprozesses ist der 95-jährige Michel Cornaz.
Innovator Michel Cornaz
Michel Cornaz war das ganze Leben lang in der Glasindustrie tätig, genau wie seine Brüder Raymond Cornaz, der Vater von Claude Cornaz, und Jean-Daniel Cornaz. Nach seinem Abschluss als Ingenieur-Chemiker an der ETH Zürich ging er 1952 in die USA, um ein Jahr lang in der Glasbehälterindustrie zu arbeiten und moderne Verfahrenstechniken kennenzulernen. Er begann bei Emhart Glass Inc., einem führenden amerikanischen Hersteller von Produktionsanlagen für die Glasindustrie in Hartford, Connecticut.
Statt des einen ursprünglich geplanten Jahres blieb er sechs Jahre lang: In den USA war er für Emhart Glass Inc. in der Entwicklung, der Produktion und im Vertrieb der Produktionsanlagen tätig, bevor er den Aufbau der Geschäftstätigkeit in Europa und Asien von Zürich aus übernahm. Letztendlich arbeitete Michel Cornaz 42 Jahre lang für Emhart Glass. In den letzten sechs Jahren vor seiner Pensionierung war er von 1988 bis 1994 Präsident der gesamten Firmengruppe, die seit 1998 als Bucher Emhart Glass bekannt ist. Michel Cornaz begleitete nicht nur die Entwicklung von Emhart Glass zu einer internationalen Organisation mit sieben Standorten, er baute auch Schulungszentren und Beratungsdienste auf. Und er hat als Präsident der Cornaz AG Holding die Entwicklung der Vetropack-Gruppe begleitet.
In dieser Funktion stimmte er gemeinsam mit seinen Brüdern Raymond und Jean-Daniel, die in die Glashütte Bülach eingetreten waren und 1966 die Vetropack AG formten, die Expansion der Vetropack-Gruppe in Richtung Osten ab – von Raymond und Jean-Daniel Cornaz erfolgreich umgesetzt. Michel Cornaz verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der internationalen Glasindustrie und kennt ihre Entwicklung wie kaum ein anderer. Er hat auch die Entwicklung seit den Anfängen verfolgt, die mit einer Zusammenarbeit von Vetropack und Bucher Emhart Glass begann.
Die Anfänge einer Vision
«Bereits 2011 starteten Vetropack und Emhart Glass ohne grosse Formalitäten das Forschungsprojekt ‹Hartglas›», berichtet er. «Das Ziel war schon früh, gewichtsreduzierte, wiederverwendbare braune Bierflaschen herzustellen», erklärt Michel Cornaz. Um eine Massenproduktion in die Wege zu leiten, suchte man nach Möglichkeiten, den Prozess der Flaschenhärtung in den Produktionsprozess zu integrieren. Die Distanz von der Produktion der Flasche bis zum Kühlofen war allerdings so gross, dass die Flaschen keine genügend hohe Durchschnittstemperatur erreichten, mit der man sie gut hätte weiterbearbeiten können. «Die Idee von Emhart war, einen beheizbaren Zuführapparat zu installieren», so Michel Cornaz. «Der Apparat sollte gleichmässig vorgewärmte Flaschen zur Weiterverarbeitung in den Kühlofen transportieren.
Durchhaltevermögen zahlt sich aus
Leider wurde das Forschungsprojekt damals innerhalb von Emhart Glass aus Kostengründen eingestellt. Michel Cornaz erinnert sich daran, dass man die hohe Investition scheute, die dafür nötig gewesen wäre. Er bedauert, dass das Forschungsprojekt damals nicht gemeinsam weitergeführt wurde. Umso mehr freut Michel Cornaz sich heute darüber, dass Vetropack das Projekt selbstständig weiterverfolgte und in die fortschrittliche Technologie investierte. Er ist überzeugt davon, dass das frühere Forschungsprojekt eine wichtige Grundlage für die innovative Technologie geschaffen habe: «Die praktischen Erfahrungen aus dem Projekt waren ein erster Impuls», meint Michel Cornaz.
«Wie bei allen Erfindungen braucht es natürlich auch die Menschen, die hartnäckig sind und interessiert. Die ausprobieren, ob man nicht vielleicht auch die bestehenden Kühlöfen nutzen kann.» Jeder Schritt – etwa die erzielten Resultate und hohe Qualität bei kleineren Flaschen und Leichtglas – gaben positive Impulse und ermöglichten wieder einen nächsten Schritt. Dieses Durchhaltevermögen erachte er als entscheidend: «In der Glasindustrie gab es immer wieder Menschen, die eine Vision hatten. Die dieses oder das noch ausprobierten und einfach nicht aufgaben», erzählt Michel Cornaz. Auf diesem Weg habe sich Vetropack über die letzten Jahre viel Know-how aufgebaut. Heute profitiert die Firma angesichts des Marktbedürfnisses nach leichteren und wiederverwendbaren Glasbehältern von seiner Expertise und Vorreiterrolle. Die 0,33-Liter-Mehrwegflasche ist nun die Standardlösung für die österreichische Brauwirtschaft. Ein echter Durchbruch, findet Michel Cornaz.
«Ich habe grösste Hochachtung, dass Vetropack diesen Schritt erfolgreich gemacht hat», sagt er. Er freut sich sichtlich über den Erfolg und unterstreicht: «Der Erfolg ermutigt, diesen Weg weiterzugehen, den nächsten Schritt zu tun, das Verfahren zu verfeinern und in den Prozess zu integrieren.» Denn, da ist er sich aus Erfahrung sicher: «Man muss immer auch probieren!» Das tun die Kollegen bei Vetropack in Österreich intensiv: Erich Jaquemar und sein Team haben etwa ausführlich getestet, wie man das Flaschen- und das Kistendesign so aufeinander abstimmen kann, dass die Belastungen der neuen Mehrwegflaschen durch die zahlreichen Umläufe entlang der gesamten Wertschöpfungskette reduziert werden können. Das Innovationszentrum in Pöchlarn entwickelt die Produktion Schritt für Schritt weiter.
«Ich habe grösste Hochachtung, dass Vetropack diesen Schritt erfolgreich gemacht hat.»
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