01/2023: 90 Prozent! Dieses Ziel hat sich der europäische Behälterglasverband FEVE für die Glassammel- und Recyclingquote bis zum Jahr 2030 gesetzt – ein Appell für eine ambitionierte Glas-Kreislauf-Wirtschaft. Vetropack, als Pionier des Glasrecyclings in der Schweiz, investiert in Modernisierungsmassnahmen, um den Anteil an Altglas in der Glasneuproduktion weiter deutlich zu steigern.

Scherben bringen Glück, wie ein altes Sprichwort sagt. In Bezug auf Nachhaltigkeit stimmt das allemal. Hier bedeuten Glasscherben vor allem eine höhere Ressourceneffizienz. Denn Glas ist ein natürlicher Stoff und zu 100 Prozent wiederverwertbar. Das heisst: Glas kann unendlich oft zu neuen Flaschen und Konservengläsern geformt werden, ohne dass es an Qualität einbüsst. Vorausgesetzt, es wird gesammelt und fachgerecht recycelt. 

Genau das geschieht noch gar nicht so lange. Zwar belegen archäologische Funde, dass Altglas bereits in der Antike bei der Herstellung von neuen Behältern zum Einsatz kam. Doch das systematische, grossflächige Einsammeln und stoffliche Wiederverwerten von Glas begann erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vorreiter war die DDR in den 1960er Jahren, gefolgt von der Bundesrepublik Deutschland, Österreich und den Niederlanden.

Beginn vor 50 Jahren

In der Schweiz nahm das Glasrecycling in den 1970er Jahren Fahrt auf. Pionier war Vetropack. Wir begannen in den ersten Schweizer Gemeinden Glassammelstellen einzurichten und gründeten hierzu als Betriebsgesellschaft die Vetro-Recycling AG, die 2009 mit Vetropack fusionierte und seither als eigenständige Abteilung fungiert. Vor 50 Jahren funktionierten die Sammelstellen noch auf recht unkonventionelle Art und Weise. In einem Anfang 2023 erschienenen Bericht im «Zürcher Unterländer» heisst es, dass beispielsweise 1975 im Zürcher Milchbuck-Quartier die Bevölkerung ihr gesammeltes Glas einfach vor einem Lebensmittelgeschäft abstellte, bis es mehrere Stunden später abgeholt und zu den Glashütten St-Prex und Bülach gebracht wurde.

Diese Entwicklung vollzog sich vor dem Hintergrund der Energiekrise, als europäische Importeure zunehmend Kostendruck ausübten. Während sich Supermärkte und Discounter einen harten Preiskampf lieferten und Einwegverpackungen immer beliebter wurden, erkannte Vetropack früh die Zeichen der Zeit. Die flächendeckende Altglassammlung wurde, lange bevor es staatliche Vorschriften und finanzielle Anreize gab, zu einem nachhaltigen Sozial- und Umweltprojekt, das zum Vorbild für andere Länder wurde.

Recycling spart Energie und verbessert die Umweltbilanz

Die Vorteile des Glasrecyclings sind vielfältig. Allein in Europa werden dadurch jährlich mehrere Millionen Tonnen Primärrohstoffe eingespart. Zudem erfordert das Einschmelzen von Altglas weniger Energie als das Einschmelzen von Primärrohstoffen – aktuell von besonderer Bedeutung. Dabei gilt: Je höher der Anteil an Altglas, desto höher der Energiespareffekt. Pro zehn Prozent zusätzlich beigemischtes Bruchglas in der Glasmenge werden nach Angaben von FEVE etwa drei Prozent Energie und fünf Prozent CO2 eingespart.

Dementsprechend hat die Wiederverwendung von Altglas auch die Umweltbilanz der Glasproduktion enorm verbessert. In den letzten 25 Jahren senkte die europäische Verpackungsglasindustrie die branchenweiten CO2-Emissionen und die Abfallbelastung um 70 Prozent. Recycelte Produkte stehen auch bei Verbrauchern hoch im Kurs, spielt Nachhaltigkeit bei Kaufentscheidungen doch eine zunehmend grössere Rolle.

Umso bemerkenswerter, dass längst nicht alles an Altglas gesammelt wird. Um bis zum Jahr 2030 eine Sammel- und Recyclingquote von 90 Prozent des Altglases zu erreichen, hat der europäische Behälterglasverband FEVE die Aktionsplattform Close the Glass Loop ins Leben gerufen, die sämtliche Akteure entlang der Wertschöpfungskette zusammenbringt. Insgesamt zielt die Initiative darauf ab, die Sammellücke zu schliessen und die Qualität des recycelten Glases zu erhöhen. 

Recycling-Rekord im Jahr 2021

Die durchschnittliche Sammel- und Recyclingquote für Glasverpackungen hat in der EU und im Vereinigten Königreich im Jahr 2021 einen neuen Rekordwert von 80 Prozent erreicht – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Das geht aus den jüngsten Daten der Aktionsplattform Close the Glass Loop hervor, die den Fortschritt in Richtung 90-Prozent-Ziel bestätigen. Die Plattform verfolgt einen europäischen Aktionsplan zur Bewältigung struktureller Herausforderungen der Glassammlung. Vor allem fördert sie damit ein koordiniertes Vorgehen auf europäischer Ebene und den Informationsaustausch zu Best-Practice-Beispielen.

Pionier und Trendsetter

Vetropack unterstützt das 90-Prozent-Ziel und treibt als Recycling-Pionier und Trendsetter Innovationen weiter voran. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen pro Tonne produziertes Glas bis 2030 um 30 Prozent gegenüber 2019 zu senken. «Wir legen dabei besonderen Fokus auf die kontinuierliche Erhöhung des Altglasanteils in der Produktion», kommentiert Technical Performance Director Dubravko Stuhne. «In einigen Werken liegt der Anteil bereits bei bis zu 80 Prozent. Am slowakischen Standort Nemšová wurde jüngst die Linie zur Verwertung von Bruchglas umgebaut, um den Ertrag von gebrauchtem Weissglas zu erhöhen.» Weissglas ist besonders empfindlich, während Grünglas die grösste Toleranz für die Beimischung andersfarbigen Glases aufweist. Die Umbaumassnahme hat die Kapazität der Linie um 50 Prozent erhöht – so werden etwa 4100 Tonnen ursprünglichen Rohmaterials eingespart und die CO2-Emisisonen um 550 Tonnen reduziert.

«Vor wenigen Jahren hat Vetropack zudem 12 Millionen Euro in die Modernisierung der Recyclinganlage in Tschechien und 2022 weitere 4,5 Millionen Euro im österreichischen Pöchlarn investiert. Mit jeder dieser Massnahmen steigern wir Menge und Qualität des Rezyklats in unseren Glasprodukten», so Stuhne. «Dazu wurden auch die Geschwindigkeit der Sortierung und die Lagerkapazitäten erhöht.»

Da die Verfügbarkeit von Scherben an vielen Standorten noch schwierig ist, unterstützt Vetropack sämtliche Massnahmen, um die Sammelquoten zu steigern und einen ressourceneffizienteren Produktionsprozess in einer echten Glas-Kreislauf-Wirtschaft zu ermöglichen. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass hochwertige Scherben zuverlässig zur Produktion von neuen Glasflaschen genutzt werden können.

«Wir legen dabei besonderen Fokus auf die kontinuierliche Erhöhung des Altglasanteils in der Produktion.»
Dubravko Stuhne, Technical Performance Director

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