Neuer Fertigungsstandort
01/2022: Ein neues Werk für eine neue Zeit: Vetropack investiert in ein neues Flaggschiff für den traditionsreichen italienischen Markt. 2023 soll die hochmoderne Fertigung in Boffalora sopra Ticino in der Nähe von Mailand starten – nicht weit vom alten Standort entfernt und mit einem Maximum an Zukunftsfähigkeit, Flexibilität und Nachhaltigkeit versehen.
Die Zukunft beginnt kanalaufwärts: Vom 13. bis ins 20. Jahrhundert wurden auf dem Naviglio Grande – einem Kanal mit Verbindung zum Fluss Ticino, der die Grenze zwischen der Lombardei und dem Piemont bildet – Waren für die aufstrebende mailändische Industrieregion transportiert. Am 25. Oktober 2021 erfolgte der Spatenstich für das neue Werk der Vetropack-Gruppe. Mit neun Werken und rund 4 000 Mitarbeitenden beliefert Vetropack Märkte in Mittel-, Ost- und Südosteuropa mit hochwertigen Glasverpackungen vor allem für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, von Olivenöl über Konfitüren und Nuss-Nougat-Cremes bis hin zu Säften, Softdrinks und Spirituosen aller Art – für den italienischen Markt vor allem Wein und Prosecco.
Seit 2015 gehört die Tochtergesellschaft Vetropack Italia S.r.l. zur Unternehmensgruppe. Die Historie der Glasherstellung am Standort in Trezzano sul Naviglio reicht jedoch bis ins Jahr 1960 zurück. Johann Reiter, CEO von Vetropack, berichtet: «Schon früh war klar, dass der alte Standort in Trezzano sul Naviglio den Zielen des Unternehmens auf Dauer nicht genügen würde. Der wichtige italienische Markt mit seiner reichen kulinarischen Tradition und den vielen Weltmarken spielt in unserer Strategie eine zentrale Rolle.» Hinzu kommen die ambitionierten Ziele in puncto Qualität und Nachhaltigkeit, die sich das Unternehmen bis zum Jahr 2030 gesetzt hat: Auf der einen Seite wird flexibler und individueller produziert werden, auf der anderen Seite gilt es, Ressourcen so effizient wie möglich zu verwenden.
Viel mehr als ein Werk – ein lebendiges Stück Zukunft
Mit entsprechend langem Vorlauf begann die Planung des neuen Fertigungsstandorts, dessen Investitionen über 400 Mio. CHF umfassen. Alle Stakeholder – von den italienischen Behörden über Landschaftsplanerinnen und Architekten bis zu den Mitarbeitenden in Trezzano sul Naviglio und den Expertinnen und Experten der Vetropack-Gruppe – wurden frühzeitig eingebunden, um ein besonders zukunftsfähiges und nachhaltiges Konzept zu erstellen. Der auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik Reno De Medici und unter Einhaltung sämtlicher Umweltauflagen entstehende Fertigungsstandort wird eine Fläche von 347 000 m² umfassen, davon etwa 170 000 m² für die eigentlichen Produktionsanlagen.
Ein historisch wertvolles Gebäude wird restauriert und der Öffentlichkeit als Informationszentrum wieder zugänglich sein. Die Fernverkehrsstrasse SP225 soll im Zuge der Bauarbeiten angepasst und durch den Bau von Pkw- und Lkw-Parkplätzen zusätzlich entlastet werden. Teil des Areals ist zudem ein 31 000 m² grosser Park, der als öffentliche Grünanlage einen attraktiven Kontrast zur modernen Industrielandschaft bildet. Sämtliche im Zuge der Bauarbeiten gefällten Bäume werden an anderer Stelle neu gepflanzt. Die Glasfassaden fügen sich harmonisch in die Landschaft ein – nicht zuletzt trägt dazu auch die dezente Farbgebung in Erdtönen bei. Zudem wurde die Dachkonstruktion so ausgeführt, dass eine Nutzung von Photovoltaik-Anlagen über die gesamte Fläche möglich ist. Ein Teil wird bereits von Anfang an genutzt.
Nachhaltigkeit hat also einen hohen Stellenwert – nicht nur städte- und landschaftsbaulich, sondern auch technologisch und sozial: Allen 301 Mitarbeitenden am alten Standort Trezzano sul Naviglio wurde ein Transferangebot für das etwa 25 Kilometer entfernte Boffalora sopra Ticino gemacht. Trotz erheblicher Steigerung der Produktionsmenge pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter wird sich die Grösse der Belegschaft dank höherer Kapazität sogar leicht erhöhen, sodass bereits seit 2020 neue und bestehende Mitarbeitende für die neuen Produktionsanlagen geschult werden.
Mehr mit weniger – Industrie 4.0
Wie wird im neuen Glaswerk produziert? Vetropack setzt auf die Vorteile einer smarten Fabrik, ohne auf menschliches Know-how und Kreativität zu verzichten: Sämtliche Glasherstellungsprozesse basieren auf dem Know-how der VetropackGruppe und sind nach dem neuesten Stand der Technik eingerichtet worden. Die Vetropack-Philosophie «Safety first» wurde konsequent umgesetzt und neuste Erkenntnisse bei der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung wurden berücksichtigt. Vor Ort werden die beiden Farben Weiss und Cuvée hergestellt, und dank hochmoderner Anlagen erhöht sich die Produktivität pro Tonne Glas deutlich. Wie im alten Werk werden auch in Boffalora zunächst zwei Schmelzwannen in Betrieb genommen. Die komplette Infrastruktur ist jedoch bereits für eine Erweiterung der Produktionskapazität ausgelegt, da mittelfristig von einer positiven Marktentwicklung in Italien und darüber hinaus auszugehen ist. Bereits mit zwei Wannen wird eine Steigerung der Produktionskapazität von etwa 70 Prozent erreicht.
«Damit wird Boffalora auch innerhalb der Vetropack-Gruppe zu den grössten Standorten gehören», sagt Christoph Burgermeister, Projektleiter bei Vetropack. «Dank moderner Anlagen und Prozesse können wir im neuen Glaswerk flexibler produzieren und damit die steigende Nachfrage nach hochwertigen Verpackungen auch in kleineren Umfängen – sogenannte semi-specialities – besser bedienen.» Herausragend ist das vollautomatische Warenlager: Autonome Fahrzeuge bringen die fertigen Flaschen und Gläser sicher und ohne menschliches Zutun von der Fertigung ins Lager und weiter bis zur Verladerampe.
Vetropack ist Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit
Kräftig investiert wurde darüber hinaus vor allem in die Umweltverträglichkeit und Ressourceneffizienz des neuen Werks. Glas ist eines der nachhaltigsten Verpackungsmaterialien überhaupt, denn es ist zu 100 Prozent und unendlich oft recyclingfähig. Vetropack gehört zu den Pionieren des Recyclings und begann bereits 1970 in der Schweiz mit dem Sammeln von Altglas. Der Anteil an wiederverwendetem Glas in der Vetropack-Gruppe liegt heute bei 55 Prozent – 2030 soll er bei über 70 Prozent liegen.
«Damit wird Boffalora auch innerhalb der Vetropack-Gruppe zu den grössten Standorten gehören.»
Mehr lesen




