Vielfalt durch Feederfärbung

Farbige Glasflaschen springen ins Auge – und stärken das Markenbild. Der klassische Wannenfärbungsprozess liefert jedoch erst für grosse Chargen wirtschaftlich rentable Ergebnisse. Wollen Getränke- und Lebensmittelhersteller farbliches Neuland betreten, technische Besonderheiten wie UV-Schutz integrieren und flexibel, schnell und wirtschaftlich kleinere Chargen testen, greifen Glasverpackungshersteller wie Vetropack zur Feederfärbung. 

Die Farbe von Verpackungsglas spielt für Hersteller eine wichtige Rolle, denn sie erfüllt zweierlei Funktionen gleichzeitig: Zum einen erregen Farben Aufmerksamkeit und damit das Kaufinteresse der Endkunden. Und manche Farbtöne werden stark mit bestimmten Produkten assoziiert – wie braune Bierflaschen oder grüne Olivenölflaschen – sodass ein Bruch mit diesen Normen ein Alleinstellungsmerkmal sein kann. Doch diese farbliche Zuordnung ist keine blosse Tradition. Die zweite wichtige Funktion der Farbe ist ihre UV-Schutzleistung für Nährstoffe und Geschmack. Meistens gilt: Je dunkler die Flasche, desto besserer Schutz für den Inhalt vor UV-Strahlen. Allerdings kann inzwischen auch annähernd farbloses Glas effektiven UV-Schutz bieten. Glasverpackungshersteller Vetropack produziert solches Glas am kroatischen Standort der Gruppe in Hum na Sutli.

Vetropack Straža d.d. im kroatischen Hum na Sutli verfügt über das breiteste Farbportfolio innerhalb der Vetropack-Gruppe. Ein echter Innovationstreiber ist die Feederfärbung (roter Kreis).
Farbfritten für die Feederfärbung werden an der Produktionslinie mit einem Kran nach oben gezogen.

Alles begann mit Dunkelblau

Vetropack Straža ist heute das Werk mit der grössten Vielfalt an Glasfarben innerhalb der Gruppe und stellt in grösseren Chargen die Standardfarben Weiss, Grün, Braun, Olivgrün, Cuvée und Hellgrün her. Kleinere Mengen aussergewöhnlicher Farben werden bereits seit über 20 Jahren mithilfe eines Färbefeeders produziert.  

Anfang der 2000er Jahre erhielt Vetropack Straža eine Anfrage eines Fruchtsaftherstellers, der sich für ein Produkt dunkelblaue Flaschen wünschte. Allerdings war die bestellte Flaschenmenge für eine wirtschaftlich rentable Wannenfärbung nicht gross genug. Stattdessen implementierte Vetropack Straža an einer Produktionslinie einen Färbefeeder.  

Mittlerweile hat Vetropack die Produktion der dunkelblauen Flaschen an den slowakischen Standort Nemšová verlegt. Der kräftige Blauton ist heute sehr populär, die Wannenfärbung lohnt sich nun. Im Zuge der Modernisierung der Weissglas-Wanne Anfang 2025 tauschte Vetropack Straža den bisherigen Färbefeeder gegen einen neuen aus, der auf das höhere Produktionsvolumen der Wanne ausgelegt ist und Kunden aus der Getränke- und Lebensmittelbranche neue Möglichkeiten bietet.

Feederfärbung als Innovationstreiber

Die Feederfärbung hat sich in der jüngeren Vergangenheit als echter Innovationstreiber erwiesen – insbesondere für Mineralwasserhersteller und Brauereien, die flexible Farbkonzepte und funktionalen UV-Schutz benötigen. Vetropack Straža bietet kleinere Chargen – ab einem Produktionslos von mindestens zwei Wochen – in individuellen Farbtönen und mit kurzer Vorlaufzeit. „Das Verfahren setzt nicht in der Schmelzwanne an, sondern direkt im Feeder: dem Vorwärm- und Zufuhrkanal, der das Glas zur Formmaschine führt. Dort werden farbgebende Fritten – vorglasige Partikel, die beim Einschmelzen den gewünschten Farbton erzeugen – gezielt dem farblosen Grundglas beigemischt“, erklärt Robert Zdolc, Leiter Technischer Kundendienst bei Vetropack Straža. Um ein perfekt gefärbtes Glasprodukt mithilfe des Feeders herzustellen, setzt der Vorbereitungsprozess allerdings schon deutlich früher an.

Vorbereitung der Linie auf die Farbkampagne

Im ersten Schritt terminieren Vertrieb und Produktionsplanung den Start einer Farbkampagne. Danach bereiten die Techniker die Kampagne vor. Dafür wird zunächst der erforderliche Farbstoffverbrauch ermittelt. Zwei Tage vor Kampagnenbeginn werden dann die Fritten an die betreffende Linie gebracht, Misch- und Dosiertechnik installiert und die Waagen für die Farbstoffdosierung kalibriert.  

Ein entscheidender Faktor bei der gesamten Kampagne ist der korrekte Umgang mit Eigenscherben: Ausschussglas aus der Linie – also Glas, das ausgeschieden und später als Rohstoff dem Produktionsprozess erneut zugeführt wird – darf während der Farbkampagne nicht mit Glas anderer Linien vermischt werden, um den Farbkreislauf nicht zu verfälschen. Daher müssen die Eigenscherben klar getrennt zwischengelagert und transportiert werden. 

Vor dem eigentlichen Farbwechsel prüfen die Techniker aus der Glasschmelze noch die Glastemperatur und die Einstellungen der Vorwanne und passen den Feeder an die technologischen Anforderungen des neuen Farbtons an. Optische Pyrometer sichern währenddessen eine lückenlose Temperaturkontrolle – eine Grundvoraussetzung für stabile Färbeergebnisse.

Vom Formenwechsel zur stabilen Farbe

Danach erfolgt ein klassischer Formenwechsel. Der bisherige Formensatz wird ausgebaut und mit dem zu produzierenden Formensatz ersetzt. In einem konkreten Fall wurde für eine neue Bier-Flasche mit integriertem UV-Schutz vorbereitet. „Für den UV-Schutz werden entsprechende Fritten am Feeder hinzugefügt. Das Glas ist dann nicht richtig weiss, sondern zeigt einen leicht grünlichen Stich. Dennoch kommt die Farbe des Zitronen-Bieres in der Flasche nahezu unverfälscht zur Geltung – und das bei gleichwertigem Schutz“, sagt Robert Zdolc. Ein Formenwechsel muss immer so schnell wie möglich erfolgen, da in dieser Zeit wertvolle Ressourcen verloren geht. Die farbgebenden Fritten werden nun in exakt definierten Dosiermengen pro Stunde in den Feeder eingebracht, wo sie sich mit dem farblosen Grundglas vermischen. Gesteuert wird das hochpräzise Zusammenspiel zentral über ein Prozessleitsystem.

In der Vorbereitung einer Farbkampagne werden die Mischer installiert.
Die „Limoncella“-Bierflasche ist ein Beispiel für eine von Vetropack Straža produzierte Glasflasche mit integriertem UV-Schutz.

Qualitätssicherung in Echtzeit

Während der Umfärbephase werden stündlich Musterflaschen gezogen und im Labor auf Farbwerte und optische Eigenschaften geprüft. Sobald die Messwerte im Soll liegen, erfüllt die Produktion die Qualitätsanforderungen, sodass die Flaschen geprüft, verpackt und ausgeliefert werden können. 

Damit eröffnet die Feederfärbung Marken und Herstellern immer wieder neue Gestaltungsspielräume – und sorgt gleichzeitig für funktionale Vorteile wie verbesserten UV-Schutz. Derzeit fragen Kunden Hellblau und Türkis am meisten nach für Wasserflaschen. „Wir haben auch schon andere schöne Farben in der Vergangenheit produziert, die sich am Markt leider nicht durchsetzen konnten“, fügt Robert Zdolc hinzu. Mit diesem breiten Portfolio, individueller Beratung und erst jüngst gesteigerten Kapazitäten unterstützt Vetropack Straža auch in Zukunft dabei, das richtige Design und Branding für das jeweilige Produkt zu realisieren.