Glasrecycling in Österreich
Wenn Glasverpackungen nicht direkt wieder genutzt werden wie etwa viele Getränkeflaschen in Österreichs Mehrwegsystemen, gehören sie auf jeden Fall in einen Sammelcontainer und nicht in den Müll. Denn wiederverwendete Glasverpackungen sind der mengenmässig wichtigste Rohstoff für die Herstellung neuer Glasprodukte. Entsprechend haben das Sammeln und Aufbereiten von Glas in Österreich jahrzehntelange Tradition – die ersten Pilotprojekte liefen bereits 1976.
Jedes Jahr werden in Österreich rund 250.000 Tonnen Glasverpackungen gesammelt und zur Verwertung übergeben. Jahr für Jahr spart dies nach Angaben der zuständigen Austria Glas Recycling (AGR) eine beachtliche Menge anderer Rohstoffe ein. Seit 1977 belief sich die Gesamtmenge auf 8 Millionen Tonnen Recyclingglas, das entspricht rund 25 Milliarden Glasverpackungen. Das heimische Glasrecyclingsystem gilt in der Europäischen Union als Best Practice-Beispiel: Österreich erreicht bereits heute die Recyclingquote, die für 2030 vorgesehen ist.
Vorreiter in Europa
Austria Glas Recycling zählt zu den Wegbereitern der erfolgreichen österreichischen Recyclingglas-Sammlung. Das Non-Profit-Unternehmen betreibt das grösste Sammel- und Verwertungssystem für Glasverpackungen in Österreich. Wie andere österreichische Verwerter organisiert es die Sammlung von benutzten Glasverpackungen aus privaten Haushalten und Betrieben und sorgt dafür, dass das Sammelgut wieder der Glasindustrie zugeführt wird. Vetropack kauft das unbehandelte Recyclingglas, bereitet es auf, und führt es anschliessend als Rohstoff der Glasproduktion zu.
Glasverpackungen werden in Österreich seit Jahren zumeist in platzsparenden Doppelkammerbehältern, also öffentlich zugänglichen Containern, gesammelt. Verbraucher sollten Glas nach Möglichkeit sortenrein in die farblich passenden Behälter geben – so wird daraus wieder eine umweltfreundliche Ressource.
Auch die Sammlung selbst erfolgt so emissionsarm wie möglich: Rund zwei Drittel der Recyclingglas-Transporte in Österreich erfolgen auf dem Schienenweg. Wo dies nicht möglich ist, setzen Recyclingunternehmen auf den Einsatz umweltfreundlicherer LKW-Klassen, optimieren kontinuierlich ihre Sammelstrecken und nutzen statt Diesel CO2-emissionsarme, erneuerbare Treibstoffe. Zudem werden Spritspartrainings und Öko-Drive-Schulungen für die Fahrer der Spezial-LKWs angeboten.
Seit vielen Jahren wächst die gesammelte Menge kontinuierlich. Der Kilometeraufwand der LKWs pro gesammeltes Glas hingegen sinkt. Im Jahr 2012 wurden rund 89,5 Kilogramm Glas je Kilometer gesammelt. 2022 waren es bereits rund 103 Kilogramm – eine Effizienzsteigerung um rund 15 Prozent, der Einsparungen in Höhe von rund 1,4 Millionen Litern Diesel ermöglichte. Parallel haben sich die Staubemissionen der Sammlung im Jahr 2022 um 85 Prozent, Kohlenmonoxid-Emissionen um 56 Prozent gegenüber 2012 verringert.
Glasaufbereitung bei Vetropack
Mit dem Sammeln allein ist die Arbeit indes nicht getan: Das bei Vetropack in Kremsmünster oder Pöchlarn angelieferte unbehandelte Glas durchläuft an beiden Standorten eine Reihe von Aufbereitungsschritten: Es wird zunächst von Hand sortiert, dann in Glasbrechern zu Scherben zerkleinert und anschliessend mithilfe unterschiedlichster Methoden weiter sortiert und von Fremdkörpern und Fehlfarben befreit. Hierbei kommen unter anderem optische und magnetische Verfahren sowie Wirbelstromabscheider zum Einsatz. Nach der Trocknung des Scherbenmaterials zum Ablösen von Etikettenresten erfolgt die Abtrennung von Fremdstoffen, die leichter als Glas sind wie etwa Etiketten oder Kunststoffverschlüsse, mittels Windsichtung und Absaugung. Das nach Grössen und Farben getrennte Recyclingglas kann nun eingeschmolzen und zusammen mit neuen Rohstoffen zu neuen Gläsern und Flaschen verarbeitet werden.
Vetropack arbeitet beständig daran, den Recyclinganteil in der Glasproduktion zu erhöhen. 2023 lag der Anteil zugekauften Recyclingmaterials an den österreichischen Standorten je nach Weiss-, Grün- und Braunglas bei bis zu 60, 70 und 74 Prozent. Dieser Anteil wird zusätzlich mit Glasscherben angereichert, die bei Vetropack in der Produktion anfallen, bevor daraus neue Glasgebinde entstehen. Dabei arbeitet Vetropack im Rahmen der Strategie 2030 kontinuierlich daran, den eigenen ökologischen Fussabdruck zu verringern, den Recyclinganteil entlang der gesamten Wertschöpfungskette bei Einweg wie Mehrweg und den Zugang zu Kernressourcen (hauptsächlich Scherben) zu verbessern.
FAQ's
In den Glascontainer gehören Flaschen (Wein- und Saftflaschen, Flaschen für Essig, Öl etc.), Lebensmittelgläser (Gläser für Marmelade, Gurken, Pesto etc.), Parfumflakons und Deo-Roller, Medizinfläschchen, Einweg-Gewürzmühlen aus Glas und gläserne Flaschenverschlüsse (z.B. Vino-Lok bei Weinflaschen). Pfandflaschen dagegen wandern zurück zum Getränkehandel und können im Anschluss direkt wieder verwendet werden.
Glasprodukte, die keine Glasverpackungen sind, werden am besten im Restmüll oder Recyclinghof entsorgt. Dazu zählen etwa Flachglas (Fensterglas, Windschutzscheiben), Glasgeschirr (Trinkgläser, Backofengeschirr, Vasen), hitzebeständige Einmachgläser, Kerzenbecher, Leuchtmittel (Glühbirnen, Neonröhren), Bildschirme, Spiegel oder Borosilikatglas (Laborgläser, Impffläschchen). Steingut, Porzellan und Keramik sind kein Glas. Produkte aus diesen Materialien gehören ebenfalls nicht in den Sammelbehälter.
Alle Gemeindeämter oder die Abfallberatung informieren über die jeweils nächstgelegenen Standorte der Glas-Sammelbehälter.
Glasverpackungen müssen vor dem Einwurf nicht extra ausgespült werden, aber leer sein. Flaschen- und Behälterverschlüsse sollten entfernt und getrennt entsorgt werden. Die Vorsortierung der Glasverpackungen nach Farben erleichtert den späteren Recyclingprozess. Glasverpackungen wollen überdies eher sanft im Glascontainer entsorgt werden, damit sie nicht zu stark zersplittern. Denn je kleiner die Scherben sind, desto schwieriger ist es im Glaswerk, Fremdstoffe zu entfernen. Ausserdem freuen sich die umliegenden Anwohner. Glas sollte daher auch niemals während der Ruhezeiten entsorgt werden, sondern am besten tagsüber an Werktagen.
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